Geldanlage: Hybridanleihe

Beschreibung
Hybridanleihen sind nachrangige Schuldverschreibungen eines Unternehmens oder einer Bank. Nachrangig bedeutet, dass die Gläubiger der Anleihe im Insolvenzfall des Herausgebers der Anleihe erst nach allen anderen Gläubigern berücksichtigt würden.
Hybridanleihen bieten oftmals höhere Zinsen als vergleichbare Rentenpapiere. Neben einer festen Verzinsung gibt es oftmals auch Papiere mit  variablem Zins  oder  "Fix-to-Float"-Ausstattung (= feste Verzinsung nur im ersten Jahr, danach variabel, oftmals mit „Cap“=Obergrenze und/oder „Floor“=Untergrenze für den Zinssatz).
Hybridanleihen beinhalten für die höhere Verzinsung aber auch erhebliche Risiken.
Im Vergleich zu normalen Anleihen haben Hybridanleihen entweder extrem lange Laufzeiten von bis zu 100 Jahren oder sogar überhaupt keine Laufzeitbegrenzung. Ihre Laufzeit hängt daher davon ab, wann der Herausgeber des Papiers von seinem Kündigungsrecht Gebrauch macht. Das kann zum frühestmöglichen Zeitpunkt sein (z.B. in fünf Jahren), wie die Herausgeber dieser Anleihen stets versprechen, muss aber nicht. Wenn der Herausgeber des Papiers von seinem Kündigungsrecht keinen Gebrauch macht, läuft die Laufzeit des Papiers weiter, und der Anleger kann das Wertpapier nur an der Börse verkaufen, wenn er sein eingesetztes Kapital vorzeitig benötigt. Der Börsenkurs aber wird u.a. von der Verzinsung des Papiers im Vergleich zum aktuellen Kapitalmarktzins und von der Kreditwürdigkeit des Herausgebers der Hybridanleihe bestimmt. Er kann also auch unter 100% liegen.
Einerseits ist der Gläubiger an den Verlusten des Herausgebers beteiligt. In einem solchen Fall würde der Geldanleger nur einen Teil seiner Geldanlage zurückerhalten (z.B. 800 statt 1.000 Euro).
Zum anderen ist die Schuldverschreibung nachrangig, d.h. der Geldanleger wäre bei einer Insolvenz des Herausgebers nur an letzter Rangstelle aller Gläubiger und würde  voraussichtlich von seiner Anlage nichts zurückerhalten.
Zudem ist die Rückzahlung der Geldanlage bei Laufzeitende von der wirtschaftlichen Situation des Herausgebers der Hybridanleihe abhängig.
Dazu kommt noch: Zwar wird für die Nachrangigkeit und die extrem langen, zum Teil unendlichen Laufzeiten oftmals ein höherer Festzins oder ein höherer Aufschlag auf einen Referenzzins gezahlt als bei "normalen" Anleihen. Dieser Aufschlag kann sich aber im Zeitablauf ändern.
Wenn Neuemissionen nur mit einem höheren Aufschlag platziert werden könnten als vorherige Emissionen, wird der Kurs der letzteren unter pari fallen. Dann wirkt sich das Risiko der besonders langen Laufzeit so aus, dass der Schuldner keinen Anreiz zur Kündigung hat und der Anleger seinen Einsatz nur durch Verkauf an der Börse zurückerhalten kann, und zwar - und dies unabhängig vom allgemeinen Zinsniveau - bei Papieren, bei denen an der Zahlungsfähigkeit des Schuldners keine Zweifel  bestehen (derzeit werden z.B. Hybridanleihen der Deutschen Bank, der Postbank oder der Helaba trotz guter Verzinsung von 5% bis 6% nur mit einem Kurs von 75% bis 84% gehandelt – Stand Dez 2012). Daraus folgt: das Kursrisiko ist erheblich und nicht auf das Bonitäts- und Zinsänderungsrisiko begrenzt.
Zu beachten ist ferner: Das fortwährende Kündigungsrecht des Schuldners beschränkt in der Praxis die Chancen auf Kursgewinne deutlich. Welcher Anleger will schon für ein Papier 110, 120 oder 150% bezahlen, wenn er Gefahr läuft, dass der Herausgeber der Anleihe diese zum nächsten Ausschüttungstermin kündigt und zu 100% zurückzahlt? Der gesamte Kursaufschlag wäre dann verloren. Daher werden die Kurse von Hybridanleihen vermutlich nicht in dem Maße ansteigen, wie es im Vergleich zum sonstigen Kapitalmarkt vielleicht gerechtfertigt wäre.

Charakter der Anlage
Anleger ist Gläubiger gegenüber einem Unternehmen oder einer Bank (=Rentenpapier mit fester Verzinsung)

Mindestanlage
Mindestnominalwert, z.B. 1.000 Euro oder 5.000 Euro, oftmals aber auch 50.000 oder 100.000 EUR

Anlagedauer
Unbestimmt, keine feste Lauf­zeit, Laufzeitende nur durch Kündigung  des Herausgebers

Vorzeitige Verfügbarkeit

Jederzeitiger Verkauf an der Börse möglich (allerdings nur zum jeweiligen Tageskurs)

Rückzahlung bei Laufzeitende
Ja, aber nur in voller Höhe, wenn der Herausgeber während der Laufzeit der Anlage keine Verluste macht und nicht insolvent wird

Ertrag

Feste jährliche Zinszahlung

Rendite
Mittel, aber nur, wenn der Herausgeber des Wertpapiers keinen Verlust macht (Verlustbeteiligung!)

Kosten
Zahlreiche Gebühren beim Kauf und  Verkauf des Wertpapiers sowie  dessen Aufbewahrung - je nach Bank in unterschiedlicher Gestaltung und Höhe: Provision, Ordergebühr, u. U. Limitgebühr,
Maklergebühr, Depotgebühr

Absicherung durch den Einlagensicherungsfonds (oder vergleichbare Absicherung)
Nein

Haftung der Hausbank des Geldanlegers    
Nein

Sicherheit der Anlage
Sicher, aber nur bei Endfälligkeit und wenn der Herausgeber der Anleihe keine Verluste macht und nicht insolvent wird

Anlegertyp
Bergwanderer

Risikoklasse nach Wertpapierhandelsgesetz
Risikoscheu

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