Das sollten Sie bedenken!

Auch wenn man manches am Verkaufsverhalten einiger Banken kritisieren kann, die Entscheidung über die Teilnahme an riskanten Geldgeschäften haben in aller Regel die Anleger selbst getroffen. Vielfach haben sie ihre Anlageberater sogar auf solche Anlagemöglichkeiten angesprochen.

Geld macht blind

„Gier frisst Hirn!“ lautet daher auch der Titel eines Buches von Jürgen Wagner, das 2008 in der Schweiz erschienen ist. Der Autor ist Spezialist für die Verhinderung von Anlagebetrug.

Wenn der Wunschtraum der „schnellen Geldvermehrung“ zu verlockend oder gar übermächtig wird, schaltet der Verstand oftmals einfach ab. Alle Bedenken werden verdrängt oder für unbegründet erklärt.

Geld macht gierig, die Aussicht auf mehr Geld macht blind.

Der Mensch stammt aus der Steinzeit

Prinzipiell versuchen Menschen Risiken zu vermeiden, da sie Verluste stärker empfinden als Gewinne. Zudem führen Verluste zu einem erhöhten Rechtfertigungsdruck, Stress und letztlich sogar körperlichem Unwohlsein. Die Wirtschaftspsychologie spricht daher von der „Risikoaversion“ des Menschen.

Was bringt nun einen risikoscheuen Menschen dazu, hoch riskante Anlagen zu tätigen, nur weil er dabei möglicherweise eine höhere Verzinsung erzielt?

Dies ist letztlich nur damit zu erklären, dass die Menschen vielfach gefühlsmäßig und damit irrational entscheiden. Dabei schieben sie zugleich alle Zweifel beiseite und verzichten auf vernünftige Überlegungen und ein abwägen der Risiken.

"Ich habe bei dieser Anlage ein gutes Gefühl!“, „Ich bin sicher, dass die Aktie steigen wird!“, „Die XY-AG ist eine Topunternehmung, was soll da schon schiefgehen?“, „Ich glaube, dass die Wirtschaft jetzt die Talsohle durchschritten hat…“, „Die IT-Branche ist im Kommen“ usw. sind typische Anlegeräußerungen. Einzelne Anleger vertrauen gar auf Namensgleichheiten, persönliche Vorlieben („Ich fahre immer schon die Marke XY“) oder ein gutes Horoskop.

Der US-Wirtschaftsjournalist Jason Zweig erklärt dieses Verhalten des Menschen in seinem Buch "Gier – Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht" damit, dass sich das Gehirn des Menschen überwiegend in der Steinzeit und den Jahrmillionen davor entwickelt hat. Menschliche Intuition war zu dieser Zeit lebenserhaltend. Seiner Ansicht nach handeln wir noch immer genauso wie in der Steinzeit und verlassen uns auf Erfahrungen und indirekt eben auch „Ahnungen“, „Gefühle“, „Signale“ und „Eingebungen“, die wir in der Steinzeit entwickelt haben.

Nicht selten vertrauen wir - ähnlich wie die Besucher einer Spielbank - auf eine "Glückssträhne". Dann haben wir wieder Angst vor der Zukunft infolge schlechter „Vorzeichen“ oder glauben an eine „Pechsträhne“.

Auch trotziges Verhalten ist in der Geldanlage nicht selten (z.B. Nachkaufen bei fallenden Kursen).

Und nicht zuletzt handeln wir oft aufgrund von Alltagsweisheiten wie "Aller guten Dinge sind Drei", „Jetzt erst recht“ oder „Die meisten Probleme sitzt man am besten aus“. Der Wirtschaftsjournalist Jason Zweig erklärt dies damit, dass unser „Steinzeithirn“ fortwährend nach Handlungsmustern sucht und dabei auf die Erfahrungen des Menschen zurückgreift.

Gibt es Hoffnung?

Leider spricht nichts dafür, dass der Mensch sich weiter entwickelt und aus seinen Erfahrungen in der Neuzeit lernt.

Werden wir wenigstens aus Schaden und Misserfolg klug?

Leider nein.

Versagen wir, interpretieren wir dies in der Regel als "Schicksal" oder „Pech“ und führen dies auf  Missgunst und Fehlverhalten anderer zurück, nicht aber auf die von uns selbst getroffenen Entscheidungen. Daher machen wir immer wieder die gleichen Fehler.

Lernen wir wenigstens aus unseren Erfolgen?

Leider lautet auch hier die Antwort „nein“ – ja noch schlimmer:

Liegen wir einmal richtig, fühlen wir uns in unserem Tun bestärkt und anderen überlegen. Das Glücksgefühl nach einer erfolgreichen Spekulation kann angeblich sogar der Wirkung von Kokain entsprechen.

Dies aber hat schlimme Konsequenzen.

Nach Erfolgen werden wir i.d.R. leichtfertig, weil wir „ein gutes Gefühl haben“ und weil wir glauben, unsere Umwelt beherrschen zu können.

Gerade diese Selbstüberschätzung („Jetzt habe ich kapiert, wie die Börse funktioniert“, "Was Kostolany geschafft hat, das kann ich auch" usw.), ist der Auslöser für viele verhängnisvolle und verlustbringende Anlageentscheidungen: „Das hat im Kleinen geklappt, jetzt machen wir das im Großen noch einmal“, „Ich kaufe, wenn die Kurse fallen“, „Wenn die Kurse fallen, kaufe ich solange nach, bis ich wieder in der Gewinnzone bin“.

Wir sind nach unserer Ansicht diejenigen, die den Durchblick haben. Alle anderen liegen falsch und werden das schon noch merken.

Das alles hat nichts mit überlegtem, vernünftigem Handeln zu tun.

Es ist in der Regel auch nicht sehr erfolgreich.

So gibt es kaum eine andere menschliche Aktivität wie das Anlegen von Geld, bei der so viele sehr kluge Menschen das Gefühl haben, dumm zu sein, schreibt Beate Flemming in ihrem Artikel „Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht“ (stern.de vom 30.12.2009).

Tipps für Geldanleger zum Thema „Gier“


Will man seine eigene Gier beherrschen, sollte man die folgenden einfachen Regeln beachten, mit denen Sie wohl nicht reich werden, aber ruhig schlafen können:

  • Tätigen Sie nur Geldanlagen, die sicher sind: Schuldverschreibungen des deutschen Staates oder Anlagen, die durch den Einlagensicherungsfonds der Banken in Deutschland abgesichert sind.
  • Da nach dem neuen Wertpapierhandelsgesetz (WPGH) Ihr Anlageberater nur dann davon ausgehen wird, dass Sie Ihr Geld sicher und zu 100% zurückerhalten wollen (sog. „Kapitalschutz“), wenn Sie sich im Beratungsgespräch selbst als „konservativen Anlegertyp“ bezeichnen, tun Sie es bitte und lassen Sie die Bezeichnung in das Beratungsprotokoll eintragen.
  • Auch wenn Sie sich für noch so modern, flippig oder extravagant halten, Ihr Anlageverhalten ist „konservativ“ (Risikostufe 1).
  • Viele heutige Anlageformen sind wirklich sehr kompliziert, und ihre Gewinne und Verluste sind nur schwer abzuschätzen. Hände weg von solchen Anlagen!
  • Vergewissern Sie sich, dass Sie die Geldanlage auch wirklich verstanden haben! Bleiben Sie notfalls so lange am Schalter stehen oder am Beratungstisch sitzen, bis Sie sich wirklich sicher sind und vollständig informiert fühlen. Sie sind der Kunde, es ist Ihr Geld. Es ist auch kein Gesichtsverlust, wenn man schwierige Sachverhalte nicht sofort versteht.
  • Achten Sie mehr auf die Kosten als auf die Renditen! Nach einer Modellrechnung über 30 Jahre erbringt ein Tagesgeld nach Kosten weit größere Erträge als ein Bausparer oder ein Rentenfonds. Und ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) erzielt nach Kosten eine weit höhere Rendite als ein Aktienfonds oder ein Dachfonds  (Geldanlage-Kosten als Renditekiller, Bayerischer Rundfunk 16.05.2009).
  • Schauen Sie mehr auf die Verlustmöglichkeiten als auf die Gewinnmöglichkeiten. Gehen Sie in Ihren Gedanken immer davon aus, dass der schlimmste Fall eintreten wird – was bedeutet dies dann für Sie?
  • Überlegen Sie bei scheinbaren „Zins-Schnäppchen“ erst einmal in aller Ruhe deren Auswirkungen für die nächsten Jahre. Was nützt Ihnen eine Geldanlage bei einer neuen Bank, für die Sie drei oder sechs Monate lang etwas mehr Zinsen erhalten? Falls Sie es versäumen, die Anlage rechtzeitig zu kündigen, sind die Folgezinsen meist niedriger als bei Ihrer eigenen Bank, von dem Zeit- und Kostenaufwand durch den Bankenwechsel und die spätere Kontoauflösung ganz zu schweigen.
  • Und wenn Sie sich dennoch über alle Bedenken hinwegsetzen und sich für eine riskantere Anlageform entscheiden, dann teilen Sie Ihren Anlagebetrag bitte in unterschiedlich riskante Anlageformen bei verschiedenen Herausgebern auf. Dies ist zwar einerseits unvernünftig, da es vermutlich Ihre Rendite schmälern wird, ist andererseits aber im Nachhinein sehr vernünftig, wenn sich Ihre Anlagen nicht so entwickeln werden, wie Sie sich dies erträumt haben.


Fazit

Wenn Sie Ihr Geld mit Sicherheit zurück erhalten wollen, muss Ihre Anlage durch die Öffentliche Hand oder den Einlagensicherungsfonds der Banken in Deutschland gedeckt sein. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Wenn Sie trotzdem eine andere Anlage wählen, brauchen Sie sich hinterher nicht zu beschweren, wenn es schief geht.

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